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Welche Rolle spielt Katharina von Siena für den Frauenbund?

Offizielles Schreiben der beiden großen katholischen Frauenverbände an Kardinal Ratzinger Vorsitzender der Glaubenskongregation in Rom

Stellungnahme der Bischöfe auf der Würzburger Synode

Hirtenbrief der Deutschen Bischöfe zur Stellung der Frau in der Kirche 1981

Welche Rolle spielt Katharina von Siena für den Frauenbund?

Sr. Benedikta Hintersberger, Geistliche Beirätin des KDFB, nimmt  Stellung in einem Interview mit der Zeitschrift KDFB-Engagiert Heft  8/2005

„Nach dem Internationalen Diakonatskongress in Stuttgart 1997 hat der KDFB den 29. April zum Tag der Diakonin ausgerufen und bewusst den Festtag der Heiligen Katharina von Siena gewählt. Der Verband ist überzeugt, dass diese große Heilige und Kirchenlehrerin aus dem 14. Jahrhundert für den Dienst und das Wirken von Frauen in der Kirche heute in vielfältiger Weise Vorbild sein kann.
Katharina hat selbst aufopfernd Pestkranke ihrer Stadt gepflegt und Gefangene bis zur Hinrichtung menschlich und spirituell begleitet. Sie legte für die Menschen ihrer Zeit das Evangelium aus und gab so Zeugnis von ihrem Glauben und ihrer Hoffnung. Mit ihrem kirchenpolitischen Engagement trug sie entscheidend zur inneren Reform der Kirche bei. Es ist bewundernswert, wie sie sich für den Frieden ihrer Stadt und ihres Landes einsetzte und verfeindete Parteien miteinander versöhnte. Als Frau hat sie sich von Gott berufen und ermächtigt gefühlt, trotz ihrer gesellschaftlich und kirchlich wenig bedeutenden Stellung das Wort zu erheben und das zu sagen und zu tun, wozu sie von Gott in Visionen beauftragt
wurde.
Als Papst Johannes Paul II. die Hl. Katharina neben anderen heiligen Frauen zur Patronin von Europa ernannte, freuten wir uns sehr, weil uns damit bestätigt wurde, die „richtige“ Heilige ausgewählt zu haben.
Das Anliegen und die Vorgehensweise unseres Verbandes formuliert die engagierte Politikerin und KDFB-Frau Hanna Renate Laurien treffend: „Ist der Diakonat der Frau von Gott, wird er kommen; ist er nicht von Gott, wird er nicht kommen. Aber da wir ihn als von Gott kommend ansehen, werden wir das Nachdenken darüber und das Beten dafür nicht beenden.“

Der Tag der Diakonin ist vom KDFB eingeführt worden, um dieses Nachdenken zu ermöglichen, die Frage des Diakonats der Frau lebendig zu halten, die Berufungen von Frauen für ihren Dienst in der Kirche zu stärken und Katharina von Siena um ihre Fürbitte anzurufen.
In den vergangenen acht Jahren haben die Gruppen auf Zweigvereins-, Diözesan- und Bundesebene vielfältige Formen entwickelt, den Tag der Diakonin zu gestalten: Wallfahrten und Lichterprozessionen, Wortgottesdienste und Novenen, Gesprächsabende und Kartenaktionen. Viele Frauen unseres Verbandes sind zuversichtlich, dass die Hl. Katharina, die zu ihrer Zeit den Papst bewegen konnte, von Avignon nach Rom zurückzukehren, auch vom Himmel her die Päpste und Bischöfe bewegen kann, neue und mutige Wege in die Zukunft zu gehen.“

Offizielles Schreiben der beiden großen katholischen Frauenverbände an Kardinal Ratzinger Vorsitzender der Glaubenskongregation in Rom

"Frauen stehen nicht am Rande, sondern in der Mitte unserer Kirche"

Die beiden großen katholischen Frauenverbände in Deutschland haben die Einführung des Frauendiakonats gefordert. In einem Brief an Kurienkardinal Josef Ratzinger wenden sich der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) und die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) gegen ein Votum der Internationalen Theologenkommission des Vatikan, die sich bei ihrer Vollversammlung im Dezember 2001 gegen eine Diakoninnenweihe ausgesprochen hatte. Ratzinger ist Präfekt der römischen Glaubenskongregation und Vorsitzender der Theologenkommission. Im Folgenden der Brief im Wortlaut:

Sehr verehrter Herr Kardinal Ratzinger,

als Präsidentinnen der beiden größten katholischen Frauenverbände in Deutschland wenden wir uns mit diesem Schreiben an Sie als den Vorsitzenden der Internationalen Theologenkommission des Vatikan. Große Sorge erfüllt uns angesichts der Mitteilung der Katholischen Nachrichtenagentur, dass sich die Internationale Theologenkommission auf ihrer letzten Vollversammlung gegen die Zulassung von Frauen zum Diakonat ausgesprochen hat. Unsere beiden Frauenverbände - der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) sowie die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) - setzen sich seit vielen Jahren für den Frauendiakonat ein. Aus diesem Grund ist es uns ein Anliegen, zu dem Votum der Internationalen Theologenkommission Stellung zu nehmen und von unserer Seite einige Aspekte zu bedenken zu geben:

Aufgrund unseres Kenntnisstandes müssen wir es bedauern, dass in die Beratungen der Internationalen Theologenkommission keine Theologin eingebunden war oder zu einer Anhörung eingeladen wurde. Der Anteil fachkompetenter Frauen in der Theologie ist inzwischen hoch und darf nicht übergangen werden. Darüber hinaus bedauern wir, dass die Theologinnen, die für den Frauendiakonat eintreten und ihre Fachkompetenz auf diesem Gebiet durch wissenschaftlich anerkannte Untersuchungen unter Beweis gestellt haben, kein Gehör in der Internationalen Theologenkommission fanden.

Wir erleben den Aufbruch der Frauen, ihre Gleichstellung und gleichberechtigte Mitsprache bei der Gestaltung der Welt von heute als einen epochalen Vorgang und eine historische Herausforderung nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch für die Kirche. Schon Papst Johannes XXIII. sah in dieser Entwicklung ein "Zeichen der Zeit", durch das Gott in die Geschichte unserer Zeit hineinwirkt.

Auch wenn wir als katholische Christinnen die Bedeutung der Tradition der Kirche schätzen und in unseren Verbänden gerade auch die großen Frauen der Kirchengeschichte als Leit- und Vorbilder unseres Handelns verehren, so können wir doch einen Umgang mit der Tradition nicht gutheißen, der sich neuen Entwicklungen verschließt. Tradition ist ein lebendiger Prozess und die Entfaltung des ganzen Reichtums unseres christlichen Glaubens stellt eine immer neue Herausforderung dar. Angesichts eines gewandelten Selbstverständnisses der Rolle der Frau in der Gesellschaft erwarten wir, dass auch die Kirche sich diesen Entwicklungen öffnet, dass sie Wege der gleichberechtigten Teilhabe für Frauen ermöglicht, um aus deren Begabungen zu schöpfen und damit die Kirche als ganze zu bereichern.

Als katholische Frauen wissen wir um die Bedeutung und den besonderen Wert der sakramentalen Dimension von kirchlichem Handeln. Gerade weil wir darum wissen, treten wir entschieden dafür ein, dass das intensive und vielfältige diakonische Engagement von Frauen in die sakramentale Struktur der Kirche eingebunden wird. Es ist uns gleichzeitig ein Anliegen, dadurch den diakonalen Charakter von Kirche und deren Glaubwürdigkeit angesichts der Nöte unserer Welt zu stärken. In der Entfaltung einer dienenden Kirche, die sich in sozial-karitativen wie in politisch-gesellschaftlichen Bereichen vollzieht, haben Frauen - neben den Männern - hohe fachliche und menschliche Kompetenz erworben. Sie mit einer Vollmacht durch Weihe auszustatten - ebenso wie Männer im ständigen Diakonat - bedeutet ein offizielles Aufgreifen von Charismen, eine Anerkennung von Berufungen und damit ein stärkeres Aufleuchten einer diakonischen Kirche.

Sehr geehrter Herr Kardinal, die ca. eine Million Frauen, die Mitglieder unserer beiden Verbände sind, tragen in hohem Maß das Leben in vielen Tausenden von Pfarrgemeinden der deutschen Kirche. Sie wirken mit in den Bereichen von Verkündigung und Liturgie, sie übernehmen Dienste in der Katechese und in der Caritas, sie verantworten politische Entscheidungen in Kirche und Gesellschaft. Diese Frauen stehen nicht am Rande, sondern in der Mitte unserer Kirche und fühlen sich dort beheimatet. Gleichzeitig leiden nicht wenige von ihnen an den Erfahrungen von Begrenzungen, die sie nur deshalb spüren, weil sie Frauen sind.

Wir bitten Sie eindringlich, unsere Anliegen ernst zu nehmen und das Votum der Theologenkommission zu überdenken und zu überprüfen.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Hanneliese Steichele
Präsidentin des KDFB

Magdalena Bogner
Präsidentin kfd

Würzburger Synode:

“In der heutigen pastoralen Situation sprechen folgende Gründe dafür, auf diese alte kirchliche Praxis (= die Weihe von Frauen zu Diakoninnen, s. S. 616) zurückzugreifen: Viele Frauen üben in vielen Kirchenprovinzen, nicht nur in Missionsgebieten, eine Fülle von Tätigkeiten aus, die an sich dem Diakonenamt zukommen. Der Ausschluß dieser Frauen von der Weihe bedeutet eine theologisch und pastoral nicht zu rechtfertigende Trennung von Funktion und sakramental vermittelter Heilsvollmacht.

Ein weiterer Grund liegt darin, daß die Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft es heute unverantwortlich erscheinen läßt, sie von theologisch möglichen und pastoral wünschenswerten amtlichen Funktionen in der Kirche auszuschließen.

Schließlich läßt die Hineinnahme der Frau in den sakramentalen Diakonat in vielfacher Hinsicht eine Bereicherung erwarten, und zwar für das Amt insgesamt und für die in Gang befindliche Entfaltung des Diakonats im besonderen. Der Diakonat ist eine eigenständige Ausprägung des Weihesakraments, die sich theologisch und funktional vom priesterlichen Dienst abhebt. Der geschichtliche Befund bezüglich des Diakonats der Frau und bezüglich des Priestertums der Frau liegt jeweils anders. Daher ist die Frage der Zulassung der Frau zum sakramentalen Diakonat verschieden von der Frage des Priestertums der Frau.

Die in unserer Gesellschaft anerkannte grundsätzliche Gleichstellung von Mann und Frau sollte auch im kirchlichen Bereich dazu führen, daß die pastoralen und liturgischen Aufgaben des Diakons und der Diakonin einander entsprechen. Falls sich trotzdem in der praktischen Tätigkeit unterschiedliche Schwerpunkte ergeben, kann das einer fruchtbaren Entfaltung des Amtes dienen. Es berührt aber nicht die grundsätzliche Gleichheit der Rechte und Pflichten. Die Zulassungsbedingungen zum Diakonat sollen daher für Manner und Frauen soweit als möglich angeglichen werden. Das betrifft insbesondere die Bewährung in der Gemeinde, im Beruf und ggf. in der Familie sowie das Miteinander.

Die Synode bittet den Papst, die Frage des Diakonats der Frau entsprechend den heutigen theologischen Erkenntnissen zu prüfen und angesichts der gegenwärtigen pastoralen Situation womöglich Frauen zur Diakonatsweihe zuzulassen."

(Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland - Beschlüsse der Vollversammlung. Freiburg - Basel - Wien 1976, S. 616f)

Hirtenbrief der Deutschen Bischofskonferenz “:Zu Fragen der Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft”, 1981:

“Anders als die Frage des Priestertums stellt sich uns die Frage nach der Zulassung von Frauen zum sakramentalen Diakonat. Die Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland hat die Zulassung von Frauen zum Diakonat eindeutig erörtert. Sie empfiehlt, an die in Teilen der alten Kirche geübte Praxis der Weihe von Diakonninen wieder anzuknüpfen. Darum hat sie den Papst gebeten, die Frage des Diakonates der Frau entsprechend den heutigen theologischen Erkenntnissen zu prüfen und angesichts der gegenwärtigen pastoralen Situation womöglich Frauen zur Diakonatsweihe zuzulassen'. Diese Frage bedarf noch weiterführender Diskussion, vor allem aber einer größeren Ubereinstimmung der Meinung in der gesamten Kirche." (S. 22)

 

Nächster Tag der Diakonin in der Diözese Köln
 am 29. April 2008

Weblinks:
Biographisches u.a. in
Wikipedia


eine Initiative des Frauenbundes

Frauengottesdienst zum Tag der Diakonin - ein Beispiel